Text: Christian / Bilder & Kurzfilme: Carola
Verzweifelt zetere ich vor mich hin, die verflixte Tasche will sich einfach nicht schliessen lassen. Zu viele Sachen eingepackt. Also muss etwas raus. Zum Glück findet sich in Caros Tasche noch eine kleine freie Ecke, denn das bestellte Bootszubehör muss unbedingt mit. Zu bequem war das Reisen mit dem Auto in den vergangenen Monaten, jetzt heisst es fliegen, und das mit maximal 23 Kilogramm Gepäck.
Der bis auf den letzten Platz gefüllte Flieger landet nach zwei Stunden sicher in Alicante. Wir finden den Bus, steigen um in Murcia und erreichen schliesslich Cartagena. Unsere Schritte zur Marina werden immer schneller. Liegt es am schweren Gepäck oder an der Vorfreude, unser Boot wiederzusehen?
Da liegt sie, unversehrt und in alter Frische. Nur ziemlich staubig. Beige gepudert, die Sahara lässt grüssen. Also: Gepäck an Bord, Wasser marsch und erst einmal Cockpit und Deck schrubben. Hungrig fallen wir danach in der nahegelegenen Cervecería über das Abendessen her und sinken später todmüde ins Bett.
Die Taschen sind gepackt und alles ist verstaut. Auf zum Flughafen.
„Frida“ ist auch schon in Sicht
Der Flieger nach Alicante steht bereit
Spanische Festland mit – Denia – in Sicht
Mit dem Bus geht die Reise weiter
Umsteigen in Murcia
Kleiner Reisebericht
Das Ziel ist nah
Angekommen
Ein „Ankommens-Getränk“ darf nicht fehlen – nachdem das Boot einmal abgespritzt wurde ☺️
Feine Tapas runden den Reisetag ab
Kaffee, Sonne und To-do-Liste
Der erste Kaffee am Morgen im sonnigen Cockpit, was gibt es Schöneres, besonders nach der Anreise aus der Kälte. Doch wir sind nicht zum Faulenzen hier. Wir wollen möglichst bald ablegen, sobald sich ein gutes Wetterfenster auftut.
Die verbleibenden Tage sind daher klar verplant: Proviant einkaufen, Zubehör besorgen und die letzten Arbeiten am Boot erledigen. Die To-do-Liste ist noch lang.
Lieblingsplatz und Kaffee
Chris macht den Decksbelag wieder grau ☺️
Schlauchi erstrahlt im neuen Glanz
Grosssegel testen, ob alle Leinen gut laufen
Zeit für eine neue Flagge
Fendersocke wechseln
Neue Abdeckhaube für Tucki
Die Wäsche trocknet perfekt bei diesen Wetterbedingungen
Proviant für die nächsten Wochen 😁
Wetterfenster – oder doch nicht?
Eine Woche nach unserer Ankunft zeigt sich ein erstes mögliches Wetterfenster. Die Idee: entlang der Küste nordostwärts segeln und später die Überfahrt nach Formentera starten.
Doch bei genauerem Hinsehen zeigt sich: Der Wind aus Südwest würde zwar passen, aber die zeitgleiche Welle aus Nordost wäre unangenehm. Also entscheiden wir uns gegen den Start. Lieber warten wir auf bessere Bedingungen und planen neu, direkt nach Formentera zu segeln, sobald sich die passende Gelegenheit ergibt.
Ein kleines Projekt wird grösser
Also greifen wir zu einem alten Punkt auf der To-do-Liste: Die Kielbolzenschrauben in der Bilge brauchen einen neuen Anstrich. Eigentlich eine einfache Sache, bürsten, streichen, fertig.
Eigentlich.
Die versteckte Schraube unter dem Auffangbehälter für Tropfwasser vom Mastfuss macht uns stutzig. Ein Foto mit dem Handy zeigt eine rissige Spachtelmasse. Wir entfernen den festgeklebten Behälter und entdecken eine kleine Baustelle.
Ein Vorbesitzer hatte den Schraubenkopf grosszügig mit Spachtelmasse versiegelt, wohl als Schutz vor Feuchtigkeit gedacht. Darunter hat sich jedoch Rost gebildet. Beim Entfernen der Spachtelmasse löst sich gleich auch die Anschlussstelle des Erdungskabels.
Also Planänderung: Alles reinigen, neu streichen und den Mechaniker rufen. Juan-Pedro kommt, schneidet ein neues Gewinde in den Schraubenkopf und die Öse vom Erdungskabel ist wieder befestigt, Problem gelöst.
Die alte Weisheit bestätigt sich einmal mehr: Auf einem Boot geht nichts einfach schnell-schnell.
Kielbolzen sind bereit für den Anstrich
Eben noch rostig, schon silbrig
Die Überraschung
Semana Santa
Ab heute, den 27. März 2026 beginnt in Cartagena die Karwoche oder auch «Heilige Woche». Eine Woche vor Ostern ziehen täglich Prozessionen durch die Gassen. Dabei tragen Bruderschaften (hermandades) kunstvolle Heiligenfiguren (pasos) auf ihren Schultern durch die Strassen. Begleitet werden sie von Büssern (nazarenos) in traditionellen Spitzhauben.
Eine willkommende Abwechslung zu den täglichen Bootsarbeiten und Vorbereitungen, in denen wir uns so vertieft haben.
In wunderschönen Kostümen ziehen die Menschen durch die Gassen von Cartagena
Frauen, die Blumen tragen «Blumenangebot an die Jungfrau der Nächstenliebe» («Ofrenda Floral a la Virgen de la Caridad»), so der Name dieser Prozession
Fröhliche Klänge
Eine Bruderschaft (hermandades), die eine kunstvolle Heiligenfiguren (pasos) auf ihren Schultern trägt
Büssern (nazarenos) in traditionellen Spitzhauben
Eine weitere Heiligenfigur
Noch mehr Büssern (nazarenos) in traditionellen Spitzhauben
Unglaublich, was hier alles dargeboten wird
Alles sehr beeindruckend
Abschiedsstimmung in der Marina
Langsam leert sich die Marina, die Lücken an den Stegen sind unübersehbar, Die ersten Winterlieger haben bereits abgelegt und sind in alle Richtungen losgefahren.
Mit jedem Tag rückt auch unser eigener Aufbruch näher. Abschied nehmen heisst es, von der schönen Stadt, den vertrauten Wegen und den Bootsnachbarn, die uns ans Herz gewachsen sind.
Ein wenig Wehmut ist dabei. Gleichzeitig wächst die Vorfreude auf das Neue.
So ist das Reisen: Vertrautes hinter sich lassen, um Neues zu entdecken.
Die Zeit in Cartagena ist hiermit offiziell beendet ⛵️.