Text: Christian / Bilder & Kurzfilme: Carola
Während unserer bisherigen Reise mit dem Segelboot sind uns im Wesentlichen drei Arten von Seglerinnen und Seglern begegnet:
Auf den ersten Blick haben sie alle etwas gemeinsam: Sie reisen von A nach B, steuern Ankerbuchten und Häfen an, Segler eben. Doch mit der Zeit haben wir festgestellt: Der Unterschied liegt im Detail.
Leben an Bord, aber kein Dauerurlaub
Wir selbst haben unser Leben weitgehend aufs Boot verlagert. Das bedeutet, wir reisen über Wochen und Monate, erkunden langsam neue Gegenden und können es uns erlauben, auf gute Wetterfenster zu warten.
Wir schätzen stille Buchten, wenig Lärm, keinen Partyrummel. So wie man auch zu Hause gern seine Ruhe hat. Denn unser Alltag an Bord besteht nicht aus Sonnenbaden und Cocktails, sondern aus ganz alltäglichen Dingen, wie Törnplanung, Recherchen, Wind- und Wettercheck, Wäschewaschen, Einkaufen, Reparaturen und Bootspflege etc. Ganz nach dem bekannten Slogan: „Es gibt immer was zu tun.“
Allein vor Anker in einer Bucht bei Meganisi 🇬🇷
Handwäsche – vor Anker bei Korsika 🇫🇷
Bei hohen Temperaturen am Motor werkeln
Meist benötigen wir zwei Einkaufswagen, wenn wir länger unterwegs sind
Urlaubstrubel trifft auf Segelalltag
Ganz anders erleben wir oft das Verhalten von Charter- oder Wochenendcrews:
Mit viel Vorfreude, aber auch Zeitdruck beginnt der langersehnte Urlaub. In kurzer Zeit soll möglichst viel gesehen und erlebt werden. Der geplante Törn muss durchgezogen werden, Windverhältnisse hin oder her.
In der Hochsaison, wenn viele zur gleichen Zeit unterwegs sind, führt das zu einer spürbaren Unruhe in Ankerbuchten und Häfen. Boote kommen und gehen ständig, die Abstände beim Ankern werden oft knapp, und nicht selten fehlt es an Erfahrung beim Ankermanöver.
Für uns heisst das: Mitdenken für andere, wachsam sein, damit kein „Ankersalat“ entsteht und unser Schwoikreis frei bleibt.
Und wenn am Abend dann jedes Boot seinen Platz gefunden hat, geht es nicht selten feucht-fröhlich weiter, mit Musik, Alkohol und lauten Gesprächen bis tief in die Nacht. Dazu kommt auch mal noch die dröhnende Musik von Strandbars und Discos in Ufernähe.
Die Musik kommt vom Strand – vor Anker bei Montenegro 🇲🇪
Paxos 🇬🇷 – dies ist nur ein kleiner Teil von den Booten, die hier vor Anker liegen
Vor Anker bei Panarea 🇮🇹 – viele Boote tummeln sich hier
Urlaubsmodus vs. Langzeitleben
Wir wissen, dass nicht alle ihren Urlaub frei und in der Nebensaison planen können. Das ist nachvollziehbar. Aber für unser Lebensmodell passt dieser Trubel einfach nicht. So etwas will man zu Hause schliesslich auch nicht haben. Warum also auf dem Boot?
Hitzestau unter Deck, wenn der Sommer zur Belastungsprobe wird
Neben dem Ansturm der Urlauber kommt in den mediterranen Hochsommermonaten Juli und August noch ein weiterer Faktor hinzu: die Hitze.
Letztes Jahr haben wir hautnah erlebt, was es bedeutet, wenn das Thermometer wochenlang nicht unter 30 Grad fällt, weder tags noch nachts. Eine Woche lässt sich das gut aushalten. Zwei oder drei auch. Aber über Monate? Das geht an die Substanz.
Diese Erfahrungen teilen viele Langfahrtsegler, denen wir unterwegs begegnet sind.
Die Hitze macht einen sehr müde und zu schaffen
Der Ventilator ist zum besten Freund meiner Nichte geworden als sie im Juni/Juli 2024 zu Besuch war
Meine Nichten „leiden“ unter der Hitze
Unser Fazit: Sommerpause an Land
Warum also in Gedränge und Hitze ausharren, wenn es sich weiter nördlich, zu Hause, bei angenehmen Temperaturen viel besser leben lässt?
In diesem Sommer haben wir uns daher bewusst für eine Segelpause entschieden.
Statt Hitzestau und Anker-Chaos: Familienbesuche, Freunde treffen, Energie auftanken. Und bislang fühlt sich diese Entscheidung absolut richtig an, keine Spur von Reue.
Teil einer „anderen“ Crew sein – Musikevent „100 Tage Sommer“
Familie zu Besuch
Natur geniessen
Spontan zum Konzert von Ed Sheeran
Teil einer „anderen“ Crew sein – Musikevent „100 Tage Sommer“
Familie zu Besuch
Natur geniessen
Spontan zum Konzert von Ed Sheeran
Mit neuer Energie in den Herbst
Schon jetzt freuen wir uns auf den Herbst: auf ruhige Buchten, milde Temperaturen und entspannte Segeltage. Bis weit in den Spätherbst hinein, ganz ohne Massenbetrieb.
Denn für uns bedeutet Freiheit auf dem Wasser eben nicht ausschliesslich: immer unterwegs sein. Sondern auch: zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein 😉.