Text: Christian / Bilder & Kurzfilme: Carola
Die Überfahrt beginnt vielversprechend mit einem schönen räumlichen Wind, doch nach den ersten zwanzig Seemeilen schläft der Wind ein. Um den Restwind zu nutzen, wir haben keine Lust unter Motor zu fahren, setzten wir den Gennaker.
Dabei machen wir einen folgenschweren Fehler. Beim Hantieren mit dem Bergeschlauch fällt eine Leine ins Wasser. Sie gerät in den laufenden Propeller, wickelt sich um Welle und Schraube und bringt schliesslich den Motor zum Stillstand. Mist, wir sind manövrierunfähig.
Zum Glück befinden wir uns weit genug von der Küste entfernt, sodass genügend Zeit bleibt, ohne Hektik nachzudenken und die Problembehebung anzugehen.
Nach unzähligen Tauchgängen gelingt es mir schliesslich nach 1 ½ Stunden, die Leine vollständig zu entfernen und den Propeller wieder freizubekommen.
Zweimal bin ich kurz vor den Bettel hinzuschmeissen und aufzuhören. Aber die einzige Alternative, nämlich die Seenotrettung zu rufen, motiviert mich dann jeweils wieder weiterzumachen und nicht aufzugeben.
Endlich ist auch das letzte eingeklemmte Stück der Leine unter grossem Kraftaufwand entfernt, der Motor lässt sich wieder starten. Die Erleichterung nach dem Schrecken ist gross.
Gesichert an einer Leine, taucht Chris unermüdlich zum Propeller, um die Leine zu entfernen
Der Übeltäter
Der Einsatz geht nicht ohne Spuren an Chris vorbei
Den Gennaker haben wir gleich wieder in die Bugkabine versorgt
Definitiv schöner ist jedoch, was ich zum Zeitpunkt meiner Tauchgänge nicht bemerkt hatte.
Caro hat mir immer wieder zu zeigen versuchte: Eine Delfinschule, die das ganze Geschehen offenbar aus sicherer Entfernung beobachtet.
Sie begleitet uns nach dem Neustart ein Stück in unserer Bugwelle. Ein emotionaler Moment, der sich anfühlt, als wollten sie uns eine gute Weiterreise wünschen.
Seit dem Moment, als unser Motor ausgefallen ist, waren die Delfine immer irgendwo in unserer Nähe. Und jetzt, wo alles wieder funktioniert, schwimmen sie direkt neben uns. Fast so, als würden sie sich mit uns freuen 😉.
Die restliche Überfahrt durch die Nacht verläuft ruhig und unter Motor.
Am nächsten Morgen vor Anker zeigt sich jedoch, dass das Wellenlager durch den Vorfall beschädigt worden ist. Ein kleines Stück vom Gummilager schaut raus. Damit ist klar: Wir brauchen eine Werft.
Also laufen wir die Marina etwas früher als geplant an. Dort veranlassen den Ersatz des defekten Wellenlagers.
Solange es möglich ist, lassen wir uns vom Wind weiter voranschieben.
Morgendämmerung
Das Meer so glatt, wie ein Spiegel
Der länger als geplante Aufenthalt in der Marina hat wiedererwarten seine schönen Seiten. Wir lernen erneut interessante Segler kennen und verbringen einige gesellige Abende miteinander, während wir unser Boot zum Verlassen vorbereiten.
Marina Ginesta
Neue Bekanntschaft – Iman & Karime (SY Antares)
Die sommerliche Hitze wird langsam unerträglich, die Lust, weitere Orte zu erkunden, nimmt dadurch spürbar ab.
Zum Abschluss gönnen wir uns aber noch einen schönen Tagesausflug nach Barcelona.
Schliesslich heisst es Abschied nehmen. Mit dem Flugzeug geht es ab Barcelona zurück in die Schweiz.
Barcelona – Sagrada Familia
Casa Milà
Placa Reial
Von der Catedral de Barcelona hat man einen wunderbaren Blick über die Stadt
Flüssigkeitzufuhr ist sehr wichtig bei den heissen Temperaturen ☝️
So endet ein eindrucksvoller Tag in Barcelona
Den Entscheid, unser Boot während der heissesten Sommerwochen zu verlassen, hatten wir bereits im vergangenen Jahr zum ersten Mal getroffen. Auch dieses Mal tut es gut, für einige Wochen nach Hause zurückzukehren, Familie und Freunde wiederzusehen. Andere Hobbies und Interessen zu pflegen und Energie zu tanken, bevor das nächste Kapitel unserer Reise beginnt.
Wenn wir auf die vergangenen Monate zurückblicken, bleiben nicht nur die zurückgelegten Seemeilen oder die traumhaften Ankerbuchten in Erinnerung. Es sind genauso die Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind.
Aus zufälligen Begegnungen entstanden Freundschaften, gemeinsame Abende, Erlebnisse, die wir nie vergessen werden.
Genau diese Mischung aus Natur, dem vor Anker liegen in schönen Buchten und den vielen Begegnungen mit anderen Seglern hat diesen Reiseabschnitt für uns, zu einem besonderen, vielleicht dem schönsten unserer gesamten Reise gemacht.
Und wie der rosarote Panter im Lied so schön zu sagen pflegte: «Heute ist nicht alle Tage – WIR kommen wieder – keine Frage» Für uns gilt das ganz bestimmt ⛵️.