Segleralltag: Spätsommerlicher Sonnenschein, Entdeckerlust und Seglerfrust

Die Geschichte von einem holprigen Start mit unserem defekten Motor und dem Infinity-Pool

Text: Christian / Bilder & Kurzfilme: Carola

Wir sind wieder auf unserem Boot zurück. Die Sommerpause ist vorüber und wir schmieden bereits Pläne für unsere Weiterfahrt.

Während unserer Abwesenheit wurde unser Wellenlager am Propellerschaft ausgewechselt, eine Folge des Vorfalls mit der Leine im Propeller bei unserer Überfahrt von Mallorca zum Festland. Nun heisst es: Boot reinigen, Proviant besorgen und uns von unseren netten Stegnachbarn verabschieden. Viel Zeit bleibt uns nicht, denn wir möchten bereits in wenigen Tagen ablegen.

Frisch poliert strahlt sie uns bei unserer Ankunft an

Allein unter Spaniern – Einladung zu einem Barbecue

Unsere Bestellung ist da. Proviantierung mal anders. Lieferung bis zum Boot – was für ein Service.

Spontaner Besuch von Christina & Karsten mit ihren Jungs

Abendstimmung 

Ein holpriger Start

Am 31. August legen wir ab, mit gemischten Gefühlen. Einerseits freuen wir uns auf das Neue, andererseits fällt uns der Abschied von den liebgewonnenen Bootsnachbarn nicht leicht.

Wir nehmen Kurs Südwest, der Küste entlang. Übernachten wollen wir südlich von Tarragona, vor Anker an der Küste. Der Wind schwächelt jedoch und wir kommen nur langsam vorwärts. Nach einer Weile ist der Motor gefragt und so fahren wir mit rund fünf bis sechs Knoten der Küste entlang.

Nach drei Stunden wage ich einen Blick von hinten durch die achterliche Klappe in den Motorraum und kontrolliere die Wellendichtung. Alles sieht gut aus: Kein Wasser und kein Öl auf dem ausgelegten Papier unter dem Getriebe. Ich leuchte mit der Taschenlampe weiter unter den Motor und da spiegelt etwas.

Bei näherem Hinsehen entdecke ich dort Wasser. Ich öffne von vorne die Treppenklappe und sehe den Übeltäter: Die Kühlwasserpumpe verliert Salzwasser.

Ich putze das Wasser weg und lege einen Schwamm mit Auffangschale darunter. Die erste Hilfe ist geleistet. Wir fahren weiter unter Motor, denn der Wind ist zu schwach, um bei langsamer Fahrt noch vor dem Eindunkeln unseren geplanten Ankerplatz zu erreichen.

Eine Reparatur der defekten Pumpe scheint unausweichlich. Wer weiss, wie lange wir in diesem Zustand noch weiterfahren können? Das weiter südwestlich gelegene La Ràpita im Ebro-Delta mit seiner grossen Marina scheint uns dafür ein geeigneter Ort zu sein.

Also entscheiden wir uns, die heutige Etappe etwas auszuweiten und unseren Ankerplatz im nördlichen Bereich des Deltas zu suchen. Das sollte unter Motor knapp bis zum Sonnenuntergang möglich sein.

Wir fahren weiter und ich stelle den Timer meiner Uhr auf 20 Minuten, um das austretende Wasser regelmässig aufzuwischen.

Mein Telefon klingelt. Micha, unser ehemaliger Segellehrer, ruft mich an. Er hat Caros Instagram-Post mit unserer tropfenden Wasserpumpe gesehen. «Willkommen im Club», höre ich aus dem Lautsprecher. Das hätte er alles auch schon durchgemacht. Wahrscheinlich sei die Dichtung hinter dem Impeller defekt. Trotz der tropfenden Pumpe sollten wir aber erst einmal noch ein Stück weiterfahren können.

Diese Worte nehmen wir dankbar auf. Sie beruhigen uns und geben uns Zuversicht. Danke, Micha!

 

Die tropfende Pumpe

Dennoch geniessen wir den Tag auf dem Meer

Bei Sonnenuntergang erreichen wir das riesige Sanddelta und setzen unseren Anker auf sechs Metern Wassertiefe, in sage und schreibe 1,5 Kilometern Abstand zur Küste. Unendlich viel Platz gibt es hier. In weiter Ferne ankert noch ein weiteres Boot, das einzige in Sichtweite.

Etwas gespenstisch wirkt diese gigantische Weite. Ganz anders als in den kleinen Ankerbuchten auf den Balearen. Dafür liegen wir hier sehr sicher.

Kurz vor unserem Ziel, bevor wir den Anker fallen lassen werden

Für heute geschafft

Der nächste Morgen – Sonnenaufgang vor Anker

Ein unerwartet schöner Segeltag

Nach einer schaukeligen Nacht trinken wir unseren Morgenkaffee im Cockpit und schmieden unseren Plan für die Weiterfahrt in die Marina. Währenddessen zieht am Himmel eine Wolkendecke auf, die Regen bringen könnte.

Wir entscheiden uns, zügig den Anker aufzunehmen. Diesmal passt der Wind, wir müssen nicht motoren. Das kommt uns natürlich entgegen.

So erleben wir wider Erwarten einen wunderschönen Segeltag und fahren in rund sechs Stunden um das gesamte Delta zur südlich gelegenen Einfahrt in die riesige Lagune mit der Marina.

Was wir allerdings nicht erwartet haben, ist die ungeheure Anzahl von Fischernetzen in der nordöstlichen Ecke des Deltas. Oft ist ein regelrechter Zickzackkurs erforderlich. Ich halte ständig Ausschau, während Caro am Steuer steht. So meistern wir auch diesen Abschnitt ohne weitere Probleme.

Blick auf die 1.5km entfernte Küste

Bevor es weitergeht, präparieren wir die „Tropfstelle“

Chris hält Ausschau nach Fischerbojen

Bei besten Windbedingungen gleiten wir dahin

Der Himmel zieht sich zu – wir haben Glück und bleiben trocken ☺️

Einfahrt in die Lagune und nach La Ràpita

Ankommen in der Marina

Die Marina Sant Carles ist von einem britischen Konsortium geführt und entsprechend viele Briten haben hier ihre Jahresliegeplätze. Die grosszügige Anlage überzeugt mit geräumigen Mooringplätzen und, für hiesige Verhältnisse ungewöhnlich, mit Fingerstegen.

Das sorgt bei uns Mittelmeerseglern kurz vor dem Anlegen für etwas Nervosität, da ich seitlich keine Leinen vorbereitet habe. Dafür lernen wir später umso mehr den komfortablen seitlichen Ein- und Ausstieg zu schätzen.

Happy, dass unser Motor durchgehalten hat und wir sicher angekommen sind

nice

Jetzt beginnt die Zeit der Recherche und der Suche nach möglichen Kontakten. Wir kennen hier niemanden und wissen nicht, an wen wir uns mit unserem Problem wenden können.

Also stelle ich eine Anfrage in der TO-Mittelmeer-WhatsApp-Gruppe. Es dauert nicht lange, bis sich ein deutscher Segler, der hier in der Marina lebt, bei mir meldet und mich in die lokale Marina-WhatsApp-Gruppe aufnimmt.

Prompt kommen verschiedene Tipps, Angebote und Adressen von anderen Seglern. Genau so funktioniert die Seglergemeinschaft!

Ich schreibe zwei hier ansässige Unternehmen an. Das eine ist für die kommenden vier Wochen ausgebucht. Der zweite, weniger gut bewertete Betrieb will sogleich jemanden vorbeischicken, um die Pumpe auszubauen und in der Werkstatt zu warten.

Das will ich nicht. Denn dann bin ich hier ohne Pumpe gefangen und komme nicht weg. Das kommt mir buchstäblich etwas Spanisch vor, nein danke!

Eine Ersatzpumpe muss her, die alte hat schon viele Jahre auf dem Buckel.

Doch nach langer Recherche stellt sich heraus: Das Originalmodell wird nicht mehr produziert.

Ein französischer Nanni-Händler weist mich auf ein von Nanni vertriebenes Nachfolgemodell mit Adapter-Kit hin. Kann ich dem vertrauen? Ich möchte mehr Informationen und weitere Bestätigungen, dass dem tatsächlich so ist.

Long story short: Nach fünf Tagen Recherche, Telefonaten, E-Mails und Warten auf Antworten bewahrheitet sich die Information über die Ersatzpumpe. Ich wage es und bestelle sie.

Zwei Tage später wird die Pumpe tatsächlich geliefert. Und einen weiteren Tag später baut sie Eddie, ein freundlicher britischer Mechaniker aus der Marina-WhatsApp-Gruppe, sorgfältig und fachgerecht ein.

Geschafft!

Eine mühsame Episode kann abgeschlossen werden. Der einstündige Testlauf mit laufendem Motor zeigt keine Auffälligkeiten. Die Kühlung funktioniert einwandfrei.

Eine belastende Zeit zwischen Frustration, Hochs und Tiefs, eine regelrechte Achterbahn der Gefühle, geht zu Ende. Und auch meine pünktlich mit der Abfahrt aufgetretenen Grippesymptome sind zwischenzeitlich wieder verschwunden.

 

Das langersehnte Päckchen ist angekommen

Das ist also unsere neue Pumpe

Eddie baut die neue Pumpe sorgfältig und fachgerecht ein

Testlauf – alles bleibt trocken 🙏

Endlich Entspannung

Jetzt endlich können wir so richtig entspannen und den Infinity-Pool der Marina geniessen.

Einfach nur herrlich, so dazuliegen, über den Poolrand auf den Wald aus Masten zu schauen und die Zeit zu geniessen.

So muss es doch sein!

Jetzt macht auch das Schmieden weiterer Pläne wieder richtig Spass.

Die Seele baumeln lassen…

…am Infinity-Pool

Schlussendlich beträgt unser Aufenthalt in La Ràpita 17 Tage. Den grössten Teil haben wir mit diversen Arbeiten verbracht. Selbstverständlich haben wir auch kleine Erkundungstouren unternommen. Davon berichten wir ein anderes Mal.

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